positive geburtsberichte

Wer sein Ziel kennt, findet den Weg

Ich hatte schon länger eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie ich ein Kind bekommen wollte. Meine  Freundin L. hatte zwei Kinder zuhause auf Ibiza bekommen und so sehr davon geschwärmt. Ihre Erzählungen waren so lebendig und ich wusste von da an, das das später auch einmal mein Weg sein sollte. 

Als ich dann schwanger war, meldete ich mich sofort im Geburtshaus an und bekam sehr knapp noch einen Platz. Allerdings war die Voraussetzung, das ich mir eine Nachsorge Hebamme suche, da für meine Hebamme im Geburtshaus der Weg für das Wochenbett zu weit war. Zum Glück konnte Sandra mich dann im Wochenbett betreuen und wir machten auch den ein oder anderen Vorsorge Termin zusammen. 
Meine Schwangerschaft verlief ohne größere Probleme, bis auf das ein oder andere Wehwehchen war ich ziemlich fit und aktiv. Ich ging nur zum Arzt für den Ultraschall und machte sonst alles bei meinen beiden Hebammen. Zwei mal war ich bei L. und ihrer Familie auf Ibiza, hielt meinen Babybauch in die Sonne und badete im Meer.  L. sollte auch bei der Geburt dabei sein. Da der Vater keine Vaterrolle übernehmen würde, war ich von Anfang an auf mich alleine gestellt und meisterte meinen Alltag mit Familie und Freunden.  Ich hatte immer Hilfe und Unterstützung, wenn ich sie brauchte. Ich las viel zum Thema Hypnobirthing und habe meine Wohnung nach und nach für die Geburt hergerichtet. Alles sollte perfekt sein. 

Ich stellte es mir so wunderbar vor, wie ich auf den Wellen reite und in meiner gewohnten Umgebung, ohne fremde Menschen in aller Ruhe mein Kind empfangen würde. Da L. weit weg wohnte, plante ich zusätzlich Mi.,  meine älteste Freundin, als eventuelle Geburtsbegleiterin mit ein. Wir besuchten auch zusammen den Geburtsvorbereitungskurs. Zu dem Zeitpunkt war ich schon in der 37 Woche. 

 

Eine Woche später, es war ein wunderschöner Sommertag, haben wir wunderbare Fotos im Wald, mit meiner anderen Freundin Me. gemacht, die auch schwanger war. Es war Hochsommer, und wir waren die schönsten im Tal mit unseren Baby Bäuchen. An diesem Tag merkte ich schon, das mein Bauch dauerhaft hart war und spannte. Ich fühlte mich wunderschön. 

 

Am nächsten Morgen um halb zehn, als ich noch im Bett lag, platze meine Fruchblase. Ein kurzes knacken und alles war nass. Total aufgeregt rief ich L. an. Mir war klar, das sie es wahrscheinlich nicht rechtzeitig schaffen würde, also rief ich Mi., Me. und meine Hebamme an. Meine Mutter habe ich extra nicht angerufen, weil sie mich nur nervös gemacht hätte 😂

 

Meine Hebamme sagte, das ich ruhig den Tag genießen solle und es noch dauern kann bis es los geht. Und recht hatte sie. Me. kam vorbei und wir gingen im Wald spazieren. Es war sehr warm und ich erinnere mich sehr genau an alles.

 

Den ganzen Tag über geschah nicht viel. Im Laufe des Tages kam dann Mi. dazu und abends fuhren wir drei zusammen ins Geburtshaus. Dort machten wir ein ctg, das erste und einzige in meiner ganzen Schwangerschaft. Dann gab mir meine Hebamme Globulis, um die Wehen in Gang zu bringen. Ich kam schon etwas ins schwitzen, weil ja nach 24 Stunden Bakterien in die Fruchtblase eintreten können und dann die Hausgeburt auf dem Spiel steht. 

 

Wir fuhren nach Hause und ich schicke Me., die ja auch schon im siebten Monat schwanger war, nach Hause. Mi. hatte sich gut vorbereitet, sie spielte wunderbare Musik, u.a. Circle of Life von König der Löwen. Das war so emotional, denn genauso war es. Der Kreis des Lebens schließt sich. Schließlich war ich schwanger geworden im selben Zyklus, als mein Papa starb. Wir weinten und lachten vor Glück und Aufregung. Dabei trank ich meinen Wehentee aus Apfelsaft, Zimtstangen und Nelken und wir genossen den Sonnenuntergang auf meinem Balkon. 

 

Nach einigen Stunden in Erinnerungen schwelgen und sich die Zukunft vorstellen, wurden die Wellen endlich kraftvoller und um fünf Uhr rief ich meine Hebamme an. Als sie kam, fragte sie mich, ob ich baden wollte und ich fand das eine tolle Idee. In der Badewanne, überrollten mich die Wellen aber in einer Intensität, die ich in dem Tempo nicht gut aushalten konnte. Bald wollte ich raus. Ich musste stehen. Das war lange Zeit meine Position. Stehend an meinem Schrank angelehnt im Wohnzimmer. Als der Muttermund geöffnet war, dauerte es noch einige Zeit und Anstrengungen, bis mein kleiner Schatz es durchs Becken schaffte. Wir haben wirklich hart gearbeitet und oft die Position verändert. Oftmals versuchte ich es in der Hocke oder im Vierfüßler. Zeitweise ging es ziemlich langsam voran und ich war auch schon sehr angestrengt.

 

Endlich sagte die Hebamme,  fühl mal, du kannst den Kopf streicheln und tatsächlich konnte ich mit meinem Finger die langen Haare spüren. 

 

Es ging in die Endphase, ich gab alles, sagte mir immer wieder: jede Welle bringt mich meinem Baby näher. 

 

Als der Kopf halb geboren war, ging es nicht weiter. Ich hatte zwar Presswehen und gab wirklich alles um los zu lassen, aber mein Baby wurde einfach nicht weiter geboren. Es war eine lange Zeit, mehrere Stunden, in denen mein Baby und ich weiter daran gearbeitet haben, uns endlich in den Armen zu liegen. Ich gab nicht auf und mein Schatz belohnte mich mit guten Herztönen, sodass es keinen Grund gab, in ein Krankenhaus verlegt zu werden. 

 

Als es einfach nicht weiter ging, entschieden wir nachzuhelfen und meine Hebamme machte einen Schnitt. Dann ging alles ganz schnell und es tat gar nicht weh. Mit der nächsten Welle war mein Sohn M.F. geboren. Er war wirklich ein großer Kerl, 37 cm Kopfumfang, 54 cm lang und 3550 g schwer. Er kam zwei Wochen vor ET. Ich war so stolz, wir hatten es zusammen geschafft. Das Bonding auf der heimischen Couch, wo er geboren wurde, war wunderschön und es war unbeschreiblich mich danach in mein Bett zu legen, stillend, mit meinem Baby im Arm. 

 

Das war der schönste Moment in meinem Leben! 

 

Wir hatten es geschafft. Zusammen ! 

 

Als wir erschöpft im Bett lagen, rief ich meine Mutter an, die sofort zu weinen begann. 

 

Ich würde alles wieder genauso machen, es war einfach das aller schönste, so selbstbestimmt mein Kind zu bekommen.